Donnerstag, 9. Februar 2012

[zum Buch] Lieber Übersetzer...

Es gibt durchaus Bücher, wo es ein Übersetzer schwer hat. Bei Harry Potter zum Beispiel stelle ich mir diese Arbeit sehr mühsam vor, weil Frau Rowling ja auch selbst neue Wörter erfunden hat.
Aber manchmal scheinen nicht nur Wortneuschöpfungen Übersetzer zu überfordern, sondern auch einfach die Kultur, in der das jeweilige Buch spielt.

In "Die Umarmung des Todes" habe ich einen solchen Fall vorgefunden. Die Geschichte spielt in Japan - ich liebe japanische Kultur und lese dann nicht immer nur der Unterhaltung wegen, sondern auch, um ein gewisses Maß an Kultur mitzubekommen. Dann ärgern mich aber auch manche Sachen ganz besonders.

In Japan gibt es schließlich kein "Frau" oder "Herr", warum muss ich das dann fast auf jeder Seite lesen? Ich verstehe das wirklich nicht! Auch eine Anrede wie "Meisterin" hätte viel mehr Tiefe, wenn man es im Original bei "Sensei" belassen würde. Schließlich gab es schon etliche Fußnoten zu den Stadtteilen oder zum Umrechnungskurs von Yen in Euro, obwohl sich soetwas fast täglich ändert.
Ich weiß nicht warum, aber ich komme damit irgendwie nicht klar. Vorhin habe ich zum ersten Mal nach knapp 220 Seiten die Endung -san nach einem Nachnamen gelesen und war heilfroh, dass sich meine Befürchtungen vielleicht nicht bestätigen?!

Bin ich zu nörgelig? Kann man bei solch einem Roman die Kultur außen vor lassen? Sollte man als Übersetzer nicht um die Gepflogenheiten des Landes und dementsprechend auch die Spezialitäten der Anrede wissen?


Kommentare:

  1. Nein!

    Die Manga-Verlage haben (vor ein paar Jahren) begründet, dass ja viele "Neulinge", die sich also mit der japanischen Kultur nicht auskennen, sich von den "seltsamen" Endungen abgeschreckt fühlen würden. Man hat also "san" (Frau/Herr), "chan" ("...lein", "...chen" -.-), "sensei" (Lehrer...) übersetzt/ins Deutsche übertragen.

    Scheinbar haben sich jetzt aber so viele beschwert, dass ich es in den Manga nur noch selten lese.

    Ich find's auch affig. Es geht ja nicht um komplizierte Wörter oder um ganze Wendungen. Das ist ja überschaubar und ich finde, zumindest ein Fußnote würd's tun...

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    1. Bitte WAS? Ich lese eindeutig nur noch wenige Mangas, wenn ich das nicht mitbekommen habe. Das ist ja grausam - am besten wir fangen gleich noch an, Manga in westlicher Richtung zu lesen -.-

      Seltsame Endungen, ich glaub ich werd nicht mehr. Ich muss ja nicht ganze Begrüßungsfloskeln auswenig lernen, aber bei solchen Kleinigkeiten kann es doch bleiben. Das gibt dir einfach das Gefühl, dass du es nicht mit einer "rein deutschen" Produktion zu tun hast - und selbst da haben sie "früher" (oh Gott, wie alt bin ich bitte?) diese Endungen benutzt.

      In Fußnoten kann man so viel unnütze Sachen reinschreiben, man kann es aber auch mal mit etwas Nützlichem probieren!

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